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Die Coromandel Peninsula liegt etwa zwei Autostunden östlich von Auckland und wird aufgrund ihrer landschaftlichen Schönheit, aber auch wegen der vielfältigen Freizeitangebote nicht nur von Touristen, sondern auch von Einheimischen gern besucht.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Coromandel vor allem wegen ihres Reichtums an Gold, Kauri-Holz und Kautschuk bekannt. Vielen Neuseeland-Besuchern sind die Cathedral Cove oder der Hot Water Beach als Attrak- tionen ein Begriff. Auch das Kauaeranga Valley mag dem einen oder anderen aufgrund seiner unzähligen Sport- möglichkeiten für Wanderer, Kletterer und Montainbiker schon einmal begegnet sein.

Genau hierher, in die spektakuläre Landschaft der Kauaerangas mit ihren Pinnacles (Berggipfeln), Steilhängen und Schluchten, die aus einer über Millionen Jahre dauernden Serie an vulkanischen Aktivitäten und Erosion entstanden ist, soll unsere Wanderung gehen. Die Wahl fiel auf eine Kombination von mehreren Tracks: dem Webb Creek Track, dem Billygoat Landing Track und dem Pinnacles Track, die wir mit einer Übernachtung in der Pinnacles Hut zu einem ungefähr zwölf Kilometer langen Rundweg verknüpft haben. Sie sollen uns auf die Spuren der Kauri-Holzfäller, der Kautschuk-Sammler und der Goldgräber führen.

Die Anfahrt zu unserer Wanderung erfolgt von Thames aus, dem mit ungefähr 7500 Einwohnern größten Ort der Halbinsel und Verwaltungssitz des Thames-Coromandel- Distrikts. Von hier geht es zunächst 16 Kilometer entlang der engen Kauaeranga Valley Road zum Besucherzentrum des Department of Conservation (DOC). Letzte Gelegenheit, den für die Übernachtung in der Pinnacles Hut notwendigen „hut pass“ zu erstehen und die Vorräte an Trinkwasser aufzufüllen.

Von hier aus geht es über eine Gravel Road weitere zehn Kilometer bis zum Ende der Kauaeranga Valley Road; eine echte Herausforderung für Mensch und Mietwagen. Auf der Strecke passieren wir viele Campingplätze, die bereits erste Hinweise auf die Beliebtheit dieses Gebietes geben.

Die Fahrt zum Ausgangspunkt unserer Wanderung führt uns auch über vier Furten, betonierte Wegstücke, die ohne Brücke direkt durch einen Flusslauf führen. Wir haben Glück, durch die Trockenheit der vorangegangenen Tage sind sie nicht überflutet, so dass wir sie ohne Schwierigkeiten passieren können. Am Ende der Straße befindet sich ein großer Parkplatz. Nach der Organisation der Rucksäcke starten wir unsere Wanderung bei bestem Wetter am frühen Nachmittag.

Wir passieren das Tor des deutlich sichtbaren Einstiegspunkts und folgen zunächst auf fast ebenem Gelände dem Lauf des Kauaeranga River. Nach etwa einer halben Stunde biegt der Weg nach Nordosten in Richtung des Webb Creek ab.

Dieser Abschnitt des Tracks, der am Hydro Camp endet, folgt einem alten Versorgungspfad, der im 19. Jahrhundert von den in diesem Gebiet tätigen Holzfällern errichtet wurde. Diese fällten hier Hunderte Hektar von Kauri-Wäldern.
Auf dem Pfad transportierten Packpferde Waren in die entlegenen Camps im Busch. Um den steilen Weg passierbar zu machen, wurden steinerne Treppen gebaut („rock staircase“), die gerade mal breit genug waren, um sie mit den Tieren nutzen zu können. Die Steintreppen, die weite Teile dieses Wegabschnitts begleiten, sind nicht nur schön anzuschauen, sondern erleichtern auch uns den Aufstieg in dem phasenweise steil ansteigenden Gelände.

Auf dem Weg ins Hydro Camp überqueren wir den Webb Creek, dem wir seit einer Weile folgen, insgesamt dreimal. Aufgrund der regenlosen Vortage sind wir nicht auf die zusätzlich errichteten Hängebrücken angewiesen, sondern können die Flussläufe über die im Wasser liegenden Steine trockenen Fußes überqueren. Nach oder während Regenfällen ist es dringend angeraten, die Brücken zu nutzen, da sich die Flüsse schnell in reißende Ströme verwandeln können.

Das Hydro Camp liegt ungefähr auf halbem Weg zur Hütte und ist ein guter Platz für eine Rast. Das weitgehend offene Gelände wurde früher als Lager und Umschlagplatz genutzt. (Von der Benutzung des in den Bäumen verstecken Toilettenhäuschens wird übrigens abgeraten, es hat seine besten Zeiten eindeutig vor vielen Jahre gesehen!)

Zum selben Zweck diente dieser Platz auch einem Energieversorgungsunternehmen, das eine Stromleitung errichtete, die sich über den Bergrücken der Halbinsel von Thames nach Tairua an der Ost-Küste erstreckt. Die Leitung begleitet uns auf der gesamten Strecke und nimmt leider ein wenig das Wilderness-Erlebnis.

Wir erreichen am späteren Nachmittag nach etwa 2,5 Stunden Aufstieg unser Übernachtungsquartier. Die Hütte wird vom DOC betrieben und ist mit 80 Plätzen nicht nur sehr groß (wenn nicht die größte), sondern auch eine der am besten ausgestatteten und durchdachten DOC-Hütten, die ich je gesehen habe.

Neben einem Barbecue-Grill gibt es die Möglichkeit, (kalt) zu duschen, man kann Solarlicht nutzen (es bleibt für jeweils 20 Minuten hell), sich mit fantastischer Aussicht auf den verschiedenen Decks draußen hinsetzen, trocken und windgeschützt zwischen den Gebäudeteilen hin und her laufen und eines der drei geruchlosen Chemietoiletten- Häuschen nutzen.

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Wir haben Glück und treffen die Hütte nahezu leer und angenehm ruhig an. Neben der vierköpfigen neuseeländischen Familie, die mit uns aufgestiegen ist, übernachten heute nur fünf weitere Personen. Das ist durchaus eine Erwähnung wert, stellt diese überschaubare Anzahl an Gästen doch in Anbetracht der Beliebtheit und der Kapazität dieser Hütte eher eine Ausnahme dar.

Kein Vergleich jedenfalls zum folgenden Tag, an dem die Hütte mit mehreren Schulklassen nahezu vollständig ausgebucht ist. Es empfiehlt sich daher ein Blick auf die Website des DOC, die Auskunft über die Belegung gibt. Wie nahezu alle Hütten ist auch diese an das Online-Buchungssystem angeschlossen. Ein Hinweis für Besitzer eines „back country hut pass“: Die sonst übliche freie Übernachtungsmöglichkeit für Inhaber dieses Passes besteht hier nicht!

An der Hütte verweilen wir nicht lange und machen uns ohne Gepäck auf den Weg zu ihren Namensgebern, den Pinnacles. Das ist eine 759 Meter hohe, schroffe Felsformation, die sich deutlich sichtbar vor der Hütte erhebt und die wir seit Erreichen des Hydro Camps immer wieder betrachten konnten.

Von der Hütte führt ein im ersten Abschnitt gut ausgebauter Weg zum Gipfel. Später geht er in ebenso gut gepflegte Stufen über, bevor auch diese im oberen Abschnitt enden. Ab hier erinnert der Weg eher an einen Klettersteig, muss man doch über eiserne U-Profile klettern, die in den Fels gehauen sind, um die oberste Aussichtsplattform zu gelangen. Nach etwa 40 Minuten erreichen wir wohlbehalten unser Ziel.

Oben bietet sich in der Abendsonne ein grandioser Blick auf beide Seiten der Coromandel Peninsula – der imposante Plateauberg Table Mountain und die Bucht des Firth of Thames auf der einen Seite und die Küste bei Tairua auf der anderen Seite. Wir genießen den Ausblick bis kurz vor Sonnenuntergang und steigen dann mit dem letzten Tageslicht zur Hütte ab.

Der Abend verläuft recht kurzweilig, kommen wir doch mit den Kiwis ins Gespräch, bevor wir zu später Stunde müde in die Schlafsäcke kriechen. Angesichts der Mitte November auf dieser Höhe noch recht frischen nächtlichen Außentemperaturen bin ich froh, einen vernünftigen Schlafsack dabei zu haben.

Nach einer erholsamen Nacht und einem gemütlichen Frühstück besuchen wir am nächsten Morgen zunächst das nahe gelegene Dancing Camp. Es befindet sich direkt hinter der Hütte und ist in fünf Minuten erreicht. Auf dem Weg passieren wir linker Hand auch die ehemalige, deutlich kleinere Pinnacles Hut, in der heute der immer anwesende Hut Warden wohnt. Da wir auf demselben Weg zurückkehren werden, lassen wir unser Gepäck in der Hütte.

Am Dancing Camp können die Überreste eines 1921 erbauten und 1994 teilweise restaurierten Staudamms betrachtet werden – einer von insgesamt 60 allein im Kauaeranga Valley. Mit ihm wurde Wasser gestaut, um die gefällten Kauri-Stämme auf dem Wasserweg zum Meer treiben zu lassen. Bei diesem Staudamm handelt es sich um den zweitgrößten im gesamten Kauaeranga Valley.

Neben der beeindruckenden handwerklichen Leistung, der es bedarf, ein solch imposantes Bauwerk inmitten von Busch zu errichten, erschreckt mich die Vorstellung, dass dieses dazu beigetragen hat, die über Jahrhunderte gewachsenen Kauri-Wälder auf der Coromandel Peninsula innerhalb von nur einhundert Jahren nahezu vollständig abzuholzen.

Nach diesem kurzen Abstecher führt uns der erste Teil des Weges auf derselben Route, die wir gestern gelau- fen sind, zurück zum Hydro Camp. Hier könnten wir über die steinernen Treppen zum Ausgangspunkt am Kauaeranga Valley Road End absteigen, entscheiden uns jedoch für die etwa eine Stunde längere Alternativ- route über den Billygoat Track.

Dieser führt anfangs leicht ansteigend an beeindruckenden­ Felsformationen vorbei, ist im mittleren Abschnitt annähernd eben und führt dann über sumpfiges, sehr lichtes Gebiet an einem der vielen Campingplätze der Gegend vor- bei. Im Schlussabschnitt stoßen wir erneut auf Überreste der Holzfäller-Aktivitäten vom Beginn des 20. Jahrhunderts: Bahnschienen wurden zum Abtransport der Hölzer im gesamten Tal verlegt.

Direkt danach fällt der Track steil ins Tal ab. Wir sind froh, diese Steigung nicht in die andere Richtung laufen zu müssen!
Wie schon zu Beginn der Wanderung gestern, gestattet uns auch der Billygoat Track am Ende einen Blick auf die Billygoat Falls. Dieser aus mehreren Kaskaden bestehende, 180 Meter hohe Wasserfall ist der höchste seiner Art auf der Nordinsel Neuseelands.

Am Talboden des Kauaeranga Valley angekommen, überqueren wir über eine „swing bridge“ ein letztes Mal den Kauaeranga River und laufen rechts abbiegend auf der Straße ein paar hundert Meter zurück zum Parkplatz. Zwei sehr schöne Tage im Kauaeranga Valley gehen damit zu Ende.

Dieser Artikel in die der Ausgabe 02/2013 der Zeitschrift 360° Neuseeland erschienen.

Letzte Änderung:
von pinnacles.html am 08/01/2013
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